Autos und Friedi. Foto: Ilkay

Autos und Friedi. Foto: Ilkay

Wir sitzen gerade in einem klassisch amerikanischen Diner in Fallon. Beach Boys läuft im Hintergrund, eine sehr nette Frau in einem gelben Kleid und einer weißen Schürze bedient uns. Draußen stehen ein paar schöne Oldtimer und Hot Rods. Tiefer gelegt, knallige Farben und viel Chrom. Der Motorblock liegt natürlich offen. V8. "Some more iced tea?", fragt uns die Dame. Die Getränke werden hier wieder aufgefüllt. Iced tea ist außerdem Schwarztee mit Eis und kein gekühltes Zuckerwasser wie in Deutschland. Es gibt Burger und Fritten. Hier ein Foto meines Burgers.

Mein Burger, Friedis Burger, die letzten 9 Pommes von Friedi und Friedi. Foto: Ilkay

Mein Burger, Friedis Burger, die letzten 9 Pommes von Friedi und Friedi. Foto: Ilkay

Sehr lecker sag ich euch. "Do you want some pie for dessert?" Hm, verlockend aber wir müssen los. Wir versuchen gleich nach Ely oder zumindest nach Austin zu trampen. Die Distanzen zwischen den Städten sind zu groß, um sie zu Fuß zu absolvieren, wir müssten sonst Unmengen an Wasser und Proviant transportieren und in der Wüste braucht man ziemlich viel Wasser. Ungefähr drei Liter pro Person und Tag, wenn man Kochwasser und ein wenig für Hygiene mitrechnet. Das hat zumindest die letzten Tage so gereicht. Von Fallon nach Austin sind es 177km. Wir schaffen 25-30 km pro Tag. Eher 25, wenn wir unsere Körper nicht überanstrengen wollen. Also fünf Tage und 15 Liter Wasser. Das sind zusätzliche 33,069 Pfund zu unserem Gepäck. Ihr habt jetzt mit 15kg gerechnet, nicht wahr? Pfund, Unzen, Gallonen, Fuß, Zoll, Meilen. Alles muss man umrechnen. In der Zeit in der wir am Straßenrand stehen und auf Autos warten, kann ich euch von den letzten Tagen erzählen.

Kurz hinter dem Baseballfeld. Foto: Ilkay

Kurz hinter dem Baseballfeld. Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Wie erholt man sich in Nevada? Man nehme seinen Truck, ein paar Freunde, das Lieblingsgewehr und fahre raus in die Wüste. Wir haben Sonntag und nach dem alle in der Kirche waren, scheinen wohl viele Nevadaner die Stadt zu verlassen, um in der Wüste ballern zu gehen. Zumindest kommt es uns so vor, unser Weg führt an einem Baseballfeld vorbei, dann sieht man obige Schilder. Kurz darauf erste Schüsse. Pistolen, Schrotflinten. Überall knallt es. Man sieht kleine Gruppen von Männern auf ihre Ziele feuern. Das Wetter ist super, die Sonne scheint und wir wandern das erste mal in der Wüste. Komisches Gefühl, wenn man die Wasserknappheit bedenkt. Immer wieder sehen wir Hülsen auf dem Boden. Ich erzähle Friedi ein bisschen über die unterschiedlichen Waffenarten anhand der Hülsen. Das mir die Grundausbildung beim Bund doch noch etwas bringt hätte ich nicht gedacht.

Hülsen. Foto: Friedi

Hülsen. Foto: Friedi

Schrotflinten Hülsen. Foto: Ilkay

Schrotflinten Hülsen. Foto: Ilkay

Hasen springen ab und zu aus den Gebüschen und fliehen vor uns. Ich zähle die Mistkäfer auf unserem Weg. Es wird einsam auf unserem Pfad. Wir laufen einen kleinen Hügel hoch als uns plötzlich ein lauter Knall erschreckt. In einiger Entfernung stehen mehrere Pickups, von dort scheint der Knall zu kommen. Wir nähern uns, während immer wieder ein mächtiger Knall ertönt, der ewig nachhallt. Langsam erkenne ich die Quelle. An einem Tisch, hinter den Pickups, sitzt ein Mann. Vor ihm ein großes Gewehr, komplett in grau. Sieht nach Militär aus. Der Schütze lädt nach und eine riesige Hülse wird ausgeworfen. Kaliber 50.. Der Teufel wäre los, würde man damit im Schrebergarten in Böblingen herumhantieren. Unter ohrenbetäubendem Lärm ziehen wir weiter. Friedi will auf der Bergspitze rasten. Oben angekommen suchen wir uns ein Plätzchen am Wegesrand. Cross-Maschinen und Geländewagen brettern ab und zu an uns vorbei, ansonsten ist es vollkommen still.

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Ich. Foto: Friedi

Ich. Foto: Friedi

Mittag! Foto: Ilkay

Mittag! Foto: Ilkay

Es gibt aufgewärmte Tortillas mit Käse und Mais. Zum Dessert gibt es aufgewärmte Tortillas mit Schokolade. Wir nennen es Hikers-Crèpes oder Hikers-Crap, wir sind uns noch nicht sicher. Genüsslich verdrücken wir unser Mittagessen und genießen die Natur um uns herum. Der Weg führt uns wieder abwärts. Seit Stunden haben wir schon keine Menschenseele gesehen aber wir sind sicher nicht die ersten Menschen hier. Immer wieder treffen wir auf Müll. Selbst hier, mitten in der Wüste.

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

In diesem Foto versteckt sich eine Mülltüte. Foto: Ilkay

In diesem Foto versteckt sich eine Mülltüte. Foto: Ilkay

Welcher Idiot schmeißt hier im Nichts so etwas weg? Wir haben aber auch schon Kühlschränke und Matratzen gefunden oder ganze Autos. Die Autos finde ich aber höchst interessant. Wie ist es hier wohl gelandet? Meist fehlen die Innenausstattung und Räder. War das eine Panne? Ein Überfall? Wer weiß? Vielleicht will ich das auch gar nicht wissen.

Das ist Jimmy. Foto: Ilkay

Das ist Jimmy. Foto: Ilkay

Jimmy von innen. Foto: Ilkay

Jimmy von innen. Foto: Ilkay

Friedi steht auf Jimmy. Foto: Ilkay

Friedi steht auf Jimmy. Foto: Ilkay

Jimmy von hinten. Foto: Ilkay

Jimmy von hinten. Foto: Ilkay

Unsere Route scheint auch nicht die aktuellste zu sein. Wir landen in einem riesigen Steinbruch. Unser Pfad wurde hier wohl vor langer Zeit "abgebaut". Gott sei Dank haben wir Sonntag und niemand arbeitet gerade. Das ganze Gelände gehört praktisch nur uns und wir suchen einen Weg weg von diesem Ort. Oh, die Interstate 80. Eine Autobahn, die uns theoretisch bis zur Ostküste führen würde aber dann verpassen wir eine Menge interessanter Orte und Landschaften auf dem Weg. Wir haben gemerkt, dass man zu Fuß alles aufsaugt was einen umgibt. Wir können uns detailreich an bestimmte Etappen erinnern, wohingegen kürzeste strecken mit dem Auto als lückenhafte Erinnerung vorliegen. Langsam wird es dunkel und wir haben noch keinen Schlafplatz gefunden. Auf der anderen Seite der i80 sieht es auch nach Steinbruch aus aber dort müssen wir lang. Wir probieren es, wir finden schon einen Weg. Wie immer. Wir stapfen durch einen abgesperrten Bereich. "No trespassing, no hunting, no camping. Violators will be prosecuted to the fullest." Klingt doch nett. So oder so ähnlich sehen die Schilder aus, die uns von unserem Trail trennen. Querfeldein, abseits von der Straße laufen wir durch das Gebiet einen Berg hinauf. Friedi und ich wägen ab aber sind uns dann einig, dass wir hier unser Zelt aufschlagen. Überall liegen Pferdeäpfel. Ist das eine Farm? Mit einem mulmigen Gefühl bereiten wir uns auf die Nacht vor. Zu essen gibt es "Knorr - Alfredo Broccoli", schmeckt wie Nudeln mit Sachen aber macht satt und nach einem langen Wandertag schmeckt alles besser.

Friedi ist schnell unterwegs. Im Hintergrund die i80. Foto: Ilkay

Friedi ist schnell unterwegs. Im Hintergrund die i80. Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Es ist morgens kurz vor Sechs und um die Null Grad Celsius kalt. Wir werden von LKW-Lärm aufgeweckt und haben Angst entdeckt zu werden. Schnell packen wir zusammen. Immer wieder Pferdeäpfel. Das müssen eine Menge Pferde sein. Der Pfad, dem wir folgen, ist plötzlich eine riesige planierte Bergflanke. Von schöner Natur ist hier keine Rede mehr und am Horizont erstreckt sich der Steinbruch. Ein riesiges Loch, das wir irgendwie durchqueren müssen, es ist nicht mehr Sonntag und wir sind auf einem Privatgelände irgendwo im bewaffneten Nevada. Uns nähert sich ein Lastwagen. "Scheiße, der hat uns gesehen. Uns fällt schon eine Ausrede ein. Einen Tag im Knast. Mehr kriegen wir als Deutsche bestimmt nicht. Fuck.", denkt sich mein Kopf. Er kommt immer näher. Mit den Rucksäcken können wir auch nicht schnell fliehen. Er fährt direkt auf uns zu. Ok, zu spät, der Truck ist nur noch wenige Meter entfernt. Jetzt wird es ernst.

Der Fahrer winkt uns zu und fährt vorbei. Toll. Ich gebe ihm ein Zeichen anzuhalten. Wir fragen nach dem Weg aber der Fahrer hat keine Ahnung wie man nach Virginia City kommt, er kennt nur den Weg über die Highways, wir sollen unten im Büro fragen. Also gut. Auf dem Weg kommt uns ein übler Geruch entgegen und überall fliegen Müll und Möwen herum. Das ist gar kein Steinbruch, das ist eine riesige Mülldeponie. Die vergraben den ganzen Müll einfach, so scheint es. Friedi läuft vor mir in einiger Entfernung und ruft "Ein Bär!". Auch das noch. Was zum Teufel macht ein Bär an diesem üblen Ort? Dann sehe ich eine dunkle Gestalt um die Ecke biegen und ich bin völlig verwirrt. Pferd, nicht Bär hat sie gesagt. Wildpferde um genau zu sein. Drei an der Zahl, umgeben von Müllwagen, umherfliegenden Mülltüten und Gestank. So etwas absurdes habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Friedi läuft vor mir in einiger Entfernung und ruft "Ein Bär!". Foto: Ilkay

Friedi läuft vor mir in einiger Entfernung und ruft "Ein Bär!". Foto: Ilkay

Die letzten Einhörner. Foto: Ilkay

Die letzten Einhörner. Foto: Ilkay

Nach diesem Zusammentreffen folgen wir der Straße vom Schicksalsberg weiter hinunter zum Büro. Wir sind angespannt. Wer weiß, wie man auf uns reagiert auf dem Privatgelände. Unsere Angst war völlig unbegründet. Der Leiter der Deponie persönlich begleitet uns ein Stück und erzählt uns etwas über unseren Weg und welche Route wir am besten nehmen. Dann beginnt unser langer Aufstieg auf über 2000m nach Virginia City, wo "Bonanza" teilweise gedreht wurde. Wir treffen keine Menschenseele, nur ein paar Wildpferde, Matsch und Schnee auf dem Weg.

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Ilkay steht auf Nevada. Foto: Friedi

Ilkay steht auf Nevada. Foto: Friedi

Schnee in der Wüste. Foto: Friedi

Schnee in der Wüste. Foto: Friedi

Nach ungefähr 30km, völlig erschöpft und mit einem furchtbaren Sonnenbrand auf Hals, Armen und Gesicht kommen wir in Virginia City an. Im Red Dog Saloon genehmigen wir uns jeweils ein Bier, und teilen sehr gute Pommes und einen Salat. Danach versuchen wir noch einen Supermarkt zu finden, um Proviant für die nächste Etappe einzukaufen. Ratet mal wie viele Supermärkte es in Virginia City gibt. Richtig! Genau Null, Zero, gar keinen. In der Tankstelle soll es ein paar Lebensmittel geben. Die Alternative wäre der nächste Supermarkt in 10-15 Meilen. Das wäre fast ein ganzer Tag für uns. Wir probieren es in der Tankstelle. Hier treffen wir auf eine nette Dame und eine unglaublich faule und dicke schwarze Katze. Wir finden Oatmeal, Wasser und bekommen sogar unsere Tortillas kostenlos, da sie vor drei Wochen abgelaufen sind. Eine Geruchsprobe sagt mitnehmen. Auf die Frage wo wir übernachten könnten schlägt uns die Verkäuferin den Wohnmobilparkplatz um's Eck vor, wir sollen uns nur nicht abzocken lassen, der Besitzer sei ein "asshole". Während wir unsere Wasserblasen auffüllen kommt ein älterer Herr herein. Die Verkäuferin unterhält sich mit ihm und fragt ob wir nicht in seinem Vorgarten unser Zelt aufschlagen können. "Sure, that's fine with me but it's going to be cold.", sagt er und nimmt uns in seinem Geländewagen mit. Was für ein Glück wir haben! Dann werden wir nach drinnen eingeladen. Was für ein verdammtes Glück wir haben! Ed stellt uns seine Frau Kristi vor und sie lädt uns direkt herzlich zum Abendessen ein. Was haben wir eigentlich für ein verdammtes Glück so viele nette Leute zu treffen? Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, würde ich sagen. Das Haus ist ein Saustall aber das stört uns nicht. Hauptsächlich weil die beiden Chihuahua-Mischlinge ihr Geschäft unkontrolliert im ganzen Haus verrichten. Der Sohn Korey ist auch anwesend. Wir sitzen zusammen, reden über amerikanische Politik, das Ed während dem kalten Krieg in Berlin stationiert war, die Wahl und das unter anderem Trump, Cruz und Carson richtige Vollidioten sind. Die Familie ist begeistert von unserer Reise. Sie kümmert sich um uns als wären wir langjährige Freunde, dabei haben wir uns gerade zufällig getroffen.

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Ein Schuhbaum. Hier wachsen Schuhe. Foto: Ilkay

Ein Schuhbaum. Hier wachsen Schuhe. Foto: Ilkay

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Am nächsten Tag tauschen wir Telefonnummern und Emailadressen aus und wir begeben uns wieder auf in Richtung Osten. Es ist zwar kalt aber die Sonne scheint. Es geht abwärts, immer weiter abwärts. "Do you need a ride?", fragt uns eine Frau aus einem großen Geländewagen heraus. Doch wir laufen lieber. Deswegen sind wir immerhin hier. Wären wir bloß eingestiegen. Die nächsten acht Kilometer werden richtig zäh. Der Natur weicht ein lang gestrecktes Städtchen, scheinbar menschenleer. Jedes Häuschen wird von mehreren scharfen Hunden bewacht.

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Da sind die Biester. Foto: Ilkay

Da sind die Biester. Foto: Ilkay

An jedem Zaun ist ein Empfangskomitee. Wir versuchen hier schleunigst wegzukommen.

Am späten Nachmittag können wir diesen trostlosen Ort verlassen. Endlich geht es wieder raus in die Wüste, wo wir wieder auf uns allein gestellt sind und uns langsam der Zeltplatzsuche widmen. Dieses Mal etwas früher, denn wir wollen die Sonne genießen. Normalerweise laufen wir bis kurz vor Sonnenuntergang und bis das Zelt steht ist schon alles dunkel.

Foto: Ilkay

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Friedi in der Wüste. Foto: Ilkay

Friedi in der Wüste. Foto: Ilkay

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Foto: Ilkay

Unser Zeltplatz. Foto: Ilkay

Unser Zeltplatz. Foto: Ilkay

Wir befinden uns gerade auf dem Pony Express Trail. Das war früher eine Verbindungsstraße für Postpferde. An bestimmten Stationen wurde die Post weitergegeben und Reiter und Ross ausgetauscht. Die Straßen sind hier wie mit dem Lineal gezogen. Linien die sich im Horizont verlieren. Unser nächster halt ist Silver Springs.

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay 

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Foto: Ilkay

Foto: Friedi

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Erste Ausläufer von Silver Springs. Foto: Ilkay

Erste Ausläufer von Silver Springs. Foto: Ilkay

Am Highway entlanglaufen ist sehr zäh. Vor allem wenn Silver Springs das Ziel ist. Foto: Ilkay

Am Highway entlanglaufen ist sehr zäh. Vor allem wenn Silver Springs das Ziel ist. Foto: Ilkay

Nach knapp 30 Kilometern sind wir ziemlich platt und sehnen uns nach etwas zu Essen und Schlaf aber müssen erstmal einkaufen. Die Leute sehen hier ziemlich fertig aus. Ein Mann im Supermarkt, der übersät ist mit roten Punkten und Wunden im Gesicht starrt auf meine Kamera. Ich schau mich um und sehe kaum einen Menschen, der nicht krank, fertig oder dreckig aussieht, wenn nicht sogar eine Mischung aus allem. Ok, wir sind wieder in so einem kaputten Kaff gelandet. Meine Kamera verstaue ich tief im Rucksack und warne Friedi. Nach dem Einkauf fragen wir den scheinbar einzigen normalen Menschen hier, den Kassierer, nach einem Platz zum Zelten. Auf der anderen Straßenseite einfach fünf Blöcke weiterlaufen und über die Gleise, dann auf der rechten Seite. Da würde niemand vorbeikommen. Na, toll aber was anderes gibt es hier nicht. Das ist ein richtiges Drecksloch, entschuldigt meine Ausdrucksweise aber anders kann man das nicht beschreiben. Also, falls ihr nach Silver Springs wollt, lasst es, es ist scheiße und das merken wir mit jedem weiteren Schritt. Die Leute leben hier in kleinen Containern oder Holzbaracken und davor gibt es einen kleinen Garten mit Maschendrahtzaun, der die Wachhunde und uns trennt. Eine Südstaatenflagge weht im Wind, während man aus allen Richtungen Hunde bellen hört. Ein Geländewagen mit rundum getönten Scheiben passiert uns langsam. Eine Gabelung. Wir entscheiden uns für links. In einer Einfahrt steht ein Streifenwagen. "Sheriff" sagt die Aufschrift. Der Sheriff steht vor seinem Wagen und redet mit einer Frau, als er uns entdeckt winke ich ihm zu. "Where are you guys from? Where do you stay tonight? Don't camp inside empty buildings!" Mir fällt das Schild zum Campingplatz, das wir heute irgendwann passiert haben ein und ich erkläre ihm diesen Ort als Ziel. Er überlegt und sagt wir sind falsch, was uns natürlich bewusst war. Er bietet uns an uns dort abzusetzen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Ich wollte schon immer in einem Polizeifahrzeug mitfahren und wir können so diesen verwahrlosten Ort verlassen. "Where are you heading? You ended up in the ugliest part of the US.", sagt er uns. Es ist verdammt eng auf der Rückbank. Eine Wand ist zwischen Heck und Font eingebaut, die Fenster sind vergittert. Zwischen den beiden vorderen sitzen ist eine Schrotflinte. Der Sheriff sagt uns, dass die "Stadt" ein Meth-Problem hat. "Awa?", denke ich mir. Ich frage ob die Regierung etwas dagegen macht. Sie verteilt Essensmarken und Geld aber was machen die Leute damit? Mit den Essensmarken holen sie sich Essen und mit dem Geld holen Sie sich Drogen. "America is about capitalism, not socialism. This won't work out." Natürlich funktioniert das so nicht, das muss man kontrollieren. Die Menschen müssen eine Gegenleistung erbringen. So wie das hier abläuft kann die Regierung das Meth auch direkt selber verkaufen. Naja, für eine Diskussion bin ich zu müde. Ich sage ihm nur "It works in Germany." Zumindest besser als hier. Er antwortet nicht. Dann endet unsere Fahrt an einem See. Wir bedanken uns und Mr Capitalism entschwindet in die Nacht. Für viele ist hier "socialism" gleich "communism". Oh, oh, der natürliche Feind des Amerikaners. Friedi und ich genießen eine Tüte Chips während wir das Zelt aufbauen und Abendessen vorbereiten.

So startet man motiviert in den Tag. Foto: Ilkay

So startet man motiviert in den Tag. Foto: Ilkay

Die Sonne weckt uns sanft. Wir sind motiviert, frühstücken, packen zusammen und laufen durch die vertrocknete Landschaft weiter in Richtung Fallon. Auf dem Weg geht uns das Wasser aus. Aber keine Sorge, das war uns bewusst. Entweder wir finden Wasser oder wir laufen eben ein paar Stunden ohne etwas zu trinken, bis wir in Fallon ankommen. Es geht weiter über verdorrte Felder am Higway 50 entlang. Auch bekannt als der "Lonliest Highway in the country". Wir zählen die Strommasten, die parallel zum Highway verlaufen und berechnen die Entfernung zwischen ihnen anhand der Wegstrecke. Es sind Knappe 100m.

Ich und die Strommasten. Foto: Friedi

Ich und die Strommasten. Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Nicht so viel Wasser. Foto: Friedi

Nicht so viel Wasser. Foto: Friedi

Ah, auf der Anhöhe steht ein Haus. Dort werden wir nach Wasser fragen. Das Haus ist von einem hässlichen Zaun umgeben, ein wenig unterhalb ist die dazugehörige Garage, die ziemlich groß ist und offen steht. Im Inneren parkt ein roter Mazda MX-5, daneben zwei ältere Herren, die sich unterhalten. Ich bin kurz davor die beiden anzusprechen als Friedi auf das Auto draußen, hinter dem Gebüsch zeigt und sagt, "Lies mal was auf den Stickern steht!". "Trump", "We stand with Trump" und so weiter. Ok, die frage ich nicht nach Wasser, lieber verdurste ich. Bis nach Fallon sind es nur noch ein paar Meilen.

Trampen ist verboten in Nevada. Wisst ihr woher ich das weiß? Das hat mir gerade der Polizist gesagt, während wir per Anhalter durch die Wüste wollten. Aber er war so nett und hat uns nur eine Verwarnung gegeben. Jetzt sind wir im System aber mit falschen Namen. Das wir beide zwei Vornamen haben führt des Öfteren zu Unsicherheit. Einmal hat ein Mann in einem Kiosk, der Bustickets verkauft, gedacht wir wären verheiratet und hat unseren gemeinsamen Nachnamen gesucht. "Deutsch" schien wohl korrekt zu sein. Leider habe ich das Ticket weggeschmissen. Wie auch immer, Mehmet Deutsch und Friederike Deutsch gehen jetzt ins Kino, wenn wir heute nicht per Anhalter durch die Wüste dürfen.

Wer bis zum Schluss gelesen hat, soll in den Kommentaren "Ich bin ein Cowboy/Cowgirl." schreiben.

Ich glaube, Fallon hat mehr Kirchen als Einwohner. Foto: Ilkay

Ich glaube, Fallon hat mehr Kirchen als Einwohner. Foto: Ilkay

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