Grün. Foto: Ilkay

Grün. Foto: Ilkay

Denver

Das muss der komischste Winter überhaupt sein. Wir haben die Reise zu einer Zeit gestartet, als es in Deutschland kalt war und gelandet sind wir in Atlanta, wo es warm und schwül ist. Anschließend sind wir nach Kalifornien geflogen und wurden vom frühsommerlichen Wetter überrascht. Anfang Februar. Dieses Wetter hat uns durch den kompletten Staat begleitet. In Nevada hatten wir plötzlich Wüste. Tagsüber war es heiß und nachts wurde es bis um den Gefrierpunkt kalt. Genauso in Utah. Morgens haben wir in der Wärme der Sonne das Zelt abgebaut, umgeben von Sand und Zedern. Gegen Abend haben wir das Zelt im Tiefschnee wieder aufgebaut. Teilweise waren wir täglich in unterschiedlichen Klimazonen, in Tälern die durch den Frühling langsam Farbe bekommen, auf Hochebenen in Colorado die schneeweiß bedeckt sind oder auf Bergen, wo wir von Schneestürmen heimgesucht wurden. So viel Schnee, wie hier, habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Momentan sind wir in Denver, der Hauptstadt Colorados, man läuft im T-Shirt herum und genießt das wunderbare Wetter. Untergekommen sind wir bei John, den wir vor ein, zwei Wochen in Grand Junction zufällig in einem Café getroffen haben. Er hat uns mit unseren Rucksäcken gesehen und direkt eingeladen, da er selber viel unterwegs war und weiß wie es ist, nur aus einem Rucksack zu leben. Er wohnt in Arvada, einer Vorstadt, die von den Ausläufern Denvers verschluckt wurde. John produziert Haschöl. In einer Maschine wird unter hohem Druck das THC aus den Pflanzen gelöst. Anschließend kann man es noch destillieren, um den Reinheitsgrad zu erhöhen. Das Endprodukt wird von anderen Firmen weiterverarbeitet. Man kann es in Süßigkeiten essen, aufs Brot schmieren, rauchen oder auch nur angucken. Ach, bevor ich es vergesse, wir haben nicht bei einem Kriminellen übernachtet. Cannabis ist legal in Colorado. Durch die Besteuerung werden zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel subventioniert. Wir sind teilweise kostenlos mit dem Bus in Colorado gefahren. Nimm das VVS! Hier in Arvada, planen wir in einer ruhigen Wohngegend unsere nächsten Schritte, lernen Johns Familie kennen und gehen ein wenig in der Gegend wandern. Das Gebirge lassen wir nun hinter uns, vor uns liegen die Great Plains, eine Ebene, die großteils zum Anbau von Soja und Mais genutzt wird. Viele Menschen, allen voran John, raten uns eine andere Route zu nehmen, denn es erwartet uns nichts in den Great Plains. Öde Felder, eins so groß wie ein Dorf, das nächste folgt lückenlos und das für hunderte Meilen. Alternative: eine Nordroute über den Yellowstone Nationalpark und Great Lakes. Mal schauen, wie Friedi und ich uns entscheiden. Des weiteren können wir hier in Denver Ausrüstung zurücklassen und neue besorgen. Winterausrüstung wird nicht mehr benötigt. Wisst ihr was das heißt? SCHNEESCHUHE ADE! Endlich! Zusätzlich können wir einige andere Ausrüstungsgegenstände zurücklassen, die uns in der Kälte gewärmt haben. Eine große Erleichterung, denn wir haben das ganze Zeug auch in der Hitze der Sonne mit uns herumgeschleppt.

John beim Autofahren Foto: Ilkay

John beim Autofahren Foto: Ilkay

Johns Mutter und Friedi. Foto: Ilkay

Johns Mutter und Friedi. Foto: Ilkay

Friedi blüht auf. Foto: Ilkay

Friedi blüht auf. Foto: Ilkay

Rampart Range Road

Einige Tage später.

Es ist kurz nach sechs Uhr. Wir liegen im Zelt und ich kann nicht mehr schlafen. Die Vögel haben mich geweckt. Gezwitscher und Lärm, wie von einem "Presslufthammer". Scheinbar bauen die etwas in den Bäumen. Friedi und ich haben uns gegen die Nordroute entschieden. Dort liegt noch zu viel Schnee. Nächstes Ziel ist Colorado Springs, also alles wie gehabt, wir folgen der Route des American Discovery Trails. Fun fact: Denver liegt auf circa 1600m, sprich eine Meile. Von "Mile High"-Denver führt es uns gerade mehrere Tage über eine Passstraße nach Woodland Park. Der Untergrund ist nicht asphaltiert, es liegt nur Kies, was uns sehr erfreut und ab und zu Schnee, was Friedi ganz und gar nicht erfreut, denn sie hat sich Sandalen gekauft. Jede Schneepassage wird von "ahhhh ist das Kaaalt"-Ausrufen begleitet. Es hämmert wieder, dieses Mal direkt im Baum neben uns.

Foto: Friedi  

Foto: Friedi  

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Friedi bekommt nicht genug vom Schnee. Foto: Ilkay

Friedi bekommt nicht genug vom Schnee. Foto: Ilkay

Herkules. Foto: Ilkay

Herkules. Foto: Ilkay

Die Straße auf der wir uns bewegen heißt "Rampart Range Road". Sehr zu empfehlen. Begleitet von vielen Trails schlängelt sie sich auf circa 2700m Höhe durch den Wald. Riesige Felsen säumen den Verlauf unseres Weges. Und ein spektakuläres Panorama über das komplette Waldgebiet bis nach Denver kann man hier ebenfalls genießen. Wir sehen und hören hier allerlei Tiere. Rehe, unterschiedlichste Vögel, sogar Truthähne, die sehr lustig aussehen, wenn sie halbherzig vor uns flüchten und dabei nach links und rechts wanken, wie ein dicker Mann, währenddessen der Kopf vor und zurück nickt. Ein weiterer Vorteil für uns ist, dass die Straße noch gesperrt ist. Außer uns ist hier keine Menschenseele. Naja, ich steh mal auf und hol unser Essen, das hängt in meinem Poncho im Baum. Ihr wisst ja, die Bären...

Ich genieße die Aussicht. Foto: Friedi

Ich genieße die Aussicht. Foto: Friedi

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Friedi genießt die Aussicht ebenfalls. Foto: Ilkay

Friedi genießt die Aussicht ebenfalls. Foto: Ilkay

Dinner for two. Foto: Friedi

Dinner for two. Foto: Friedi

Essen in Sicherheit bringen. Foto: Friedi

Essen in Sicherheit bringen. Foto: Friedi

Morgendlicher Ausblick. Foto: Ilkay

Morgendlicher Ausblick. Foto: Ilkay

Friedi möchte ein High-5. Foto: Ilkay

Friedi möchte ein High-5. Foto: Ilkay

Tarzan. Foto: Friedi

Tarzan. Foto: Friedi

Der nächste Morgen.

So schön die Landschaft hier ist, gestern hat mich der Weg ein wenig genervt. Die Schneefelder werden immer größer, teilweise mehrere hundert Meter lang. Dazu wird der Schnee immer tiefer. Meine Schuhe sind vollgesogen und irgendwann habe ich nasse Füße. Scheinbar hat der Geist des Waldes etwas gegen uns, denn er schickt noch etwas Regen. Aus Regen wird schließlich Hagel, jedoch nur kleine Kügelchen, wie Waschmittel. Abrupt hört es wieder auf und die Sonne trocknet in kürzester Zeit unsere Ponchos. "So kann es weitergehen", denke ich mir. Hinter der nächsten Kurve kommt aber eine Überraschung. Aufgrund des Schattens schmilzt der Schnee nur langsam und ist relativ hoch. Hüfthoch, um genau zu sein. Toll. Ich versuche mich neben der Straße durch den dichten Wald zu kämpfen, entlang eines Baches, Friedi hingegen will durch den Schnee. Wir bleiben in sichtbarer Entfernung zueinander. Ihr roter Poncho fällt sofort auf. Kein Schnee aber dafür sumpfiges Gebiet erwartet mich. Ich suche mir einen Weg ohne meine Schuhe weiter zu durchnässen. Es wird steiler und ich springe über riesige Felsen und umgefallene Bäume. Wie ein Waldelbe fühle ich mich. Ok, mit dem ganzen Gepäck eher wie ein dicker und langsamer Waldelbe. Friedi hingegen leidet. Mit ihrer kurzen Hose quält sie sich durch das kalte Nass auf dem Weg. Ich höre sie fluchen und beobachte sie von einem großen Felsen aus. Ich muss schon zugeben, dass ich mich amüsiere. Der Bach wird immer breiter und tiefer aber ich bleibe auf meiner Seite, hier habe ich wenigstens trockene Beine und es ist viel schöner.

Mittagspause mit Panorama. Foto: Ilkay

Mittagspause mit Panorama. Foto: Ilkay

Ups. Foto: Friedi

Ups. Foto: Friedi

Ich trotze dem Schnee. Foto: Friedi

Ich trotze dem Schnee. Foto: Friedi

Wer versteckt sich im Wald? Foto: Friedi

Wer versteckt sich im Wald? Foto: Friedi

5-Sterne Köchin Friedi kocht bei jedem Wetter. Foto: Ilkay

5-Sterne Köchin Friedi kocht bei jedem Wetter. Foto: Ilkay

Rehe. Foto: Friedi

Rehe. Foto: Friedi

Auf dem letzten Stück der Straße nach Woodland Park wird der Wald immer gepflegter, die Bäume stehen immer im selben Abstand zueinander. Mein Interesse schwindet langsam und ich sehne mich danach endlich anzukommen. Es passiert nicht viel auf dem Weg, bis wir eine Schule passieren. Sie wird belagert von einem Heer an gelben Schulbussen und einer scheinbar unendlich langen Schlange von Autos. Helikopter-Eltern würde man in Deutschland sagen. Wir laufen weiter in die Stadt, während das Heer an Bussen uns passiert.

Es geht abwärts nach Woodland Park. Foto: Friedi

Es geht abwärts nach Woodland Park. Foto: Friedi

Busarmee. Foto: Ilkay

Busarmee. Foto: Ilkay

Woodland Park

Von Woodland Park laufen wir weitere acht Kilometer nach Green Mountain Falls. Dort treffen wir Ashley, die wir aus dem Hostel in Moab kennen. Die Sonne und die Wolken bescheren uns eine atemraubende Lichtstimmung. Dauernd halten wir für Fotos an. Verspätet erreichen wir unser Ziel und werden von Ashley aufgegabelt, die uns nach Colorado Springs fährt.

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Forrest Gump. Foto: Friedi

Forrest Gump. Foto: Friedi

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay 

Foto: Ilkay 

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Das Wetter ist, auf deutsch gesagt, beschissen. Eine Kältefront überzieht die ganze Gegend mit Schnee und eisigen Winden. Ich dachte, ich bin dich los Winter! Wir bleiben über das Wochenende in Colorado Springs und verbringen die Zeit damit klettern zu gehen, die umgebenden Ortschaften und Berge zu erkunden. Ashleys Familie versorgt uns dankenswerterweise mit bestem Essen, ausgiebigen Gesprächen und einem warmen Bett.

Nach den Rockies wird das Land immer flacher und flacher. Bis wir in Kansas sind, wo es noch flaaaacher wird. Man munkelt, dass ein zweistöckiges Gebäude reicht, um den ganzen Bundesstaat zu überblicken. Felder so weit das Auge reicht, in allen Himmelsrichtungen. Naja, ich will jetzt nichts schlecht reden. Wir lassen Kansas einfach auf uns zukommen. Wie uns ein Tätowierer in Colorado Springs gesagt hat: "There is beauty in Kansas. But you have to look for it."

Ashley und Friedi. Foto: Ilkay

Ashley und Friedi. Foto: Ilkay

Wir klettern auf Bäume. Foto: Ilkay 

Wir klettern auf Bäume. Foto: Ilkay 

Wir klettern auf Bäume. Foto: Ilkay

Wir klettern auf Bäume. Foto: Ilkay

Bonus

Beschäftigung bei schlechtem Wetter in Colorado Springs.

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