Friedi. Foto: Ilkay

Friedi. Foto: Ilkay

Aus zwei Übernachtungen in Thomas, um unsere Füße auszuruhen und mal wieder zu duschen, werden vier, denn wir verstehen uns blendend mit den Künstlern, die wir dort teffen. Des weiteren regnet es während unseres Aufenthaltes teilweise sehr heftig und somit sind Friedi und ich recht froh, dass wir ein solides Dach über dem Kopf haben. Wir kommen bei Nellie unter, einer jungen Modedesignerin, die wir in einer der Gallerien kennenlernen. Thomas ist sehr anziehend für Künstler und Freigeister, wie wir beide schnell zu verstehen lernen.

Alte Fotos in Morgans Appartement betrachten. Foto: Ilkay

Alte Fotos in Morgans Appartement betrachten. Foto: Ilkay

Nellie hat Teile ihrer Werkstatt in der Lamplight Gallery. Foto: Ilkay

Nellie hat Teile ihrer Werkstatt in der Lamplight Gallery. Foto: Ilkay

In West Virginia sind wir schon des Öfteren sehr rückwärtigem Denken und Rassismus begegnet, mehr als in allen Staaten zuvor. Die Menschen sind nicht so offen wie auf der Westseite der USA, das merken wir oft daran, dass wir zum Trampen viel mehr Zeit brauchen, als früher (wir sind schon gefühlte zehn Jahre hier). Einmal ist eine Frau an uns vorbeigefahren als wir mit unseren Daumen nach einer Mitfahrgelegenheit gefragt haben. Die Dame hat das Lenkrad verrissen, ihre Lippen haben sich zu einem "Nooooo!" geformt und ihr Gesicht hat uns nur Abneigung gezeigt, als hätten wir darum gebeten, dass sie nackt für uns tanzt und dabei eine tote Katze hält. Ich musste einem Redneck auch schon die Angst nehmen, dass nicht alle 1.5 Milliarden Muslime in sein Land kommen und ihm seine Kultur rauben wollen. Das war am Anfang unserer Reise durch West Virginia. Er hat mir noch gesagt, dass ich auf den nächsten 120 Meilen lieber mit Friedi verheiratet sein und nichts von "Muselmännern" erzählen soll. Kurz vor Thomas sind wir in eine Stadt gekommen, in der man uns sehr merkwürdig beobachtet hat. Wir haben uns wie im Terrarium einer exotischen aber angsteinflössenden riesigen Spinne gefühlt. Vorsichtig wird man angeschaut und will auf keinster Weise mit uns in Berührung kommen. Um nach einem guten Restaurant zu fragen habe ich einen jungen Mann, Anfang zwanzig, angesprochen. Aus mehr als meiner dreimaligen Wiederholung von "Excuse me" hat die Konversation nicht bestanden, er hat uns angeschaut und eine Fliege gemacht. Uhhhh Fremde. Man hat das Gefühl, Teile der Leute leben hier in Angst und Verzweiflung, verursacht durch die mediale Propaganda und Angstmacherei. Genau deswegen ist Thomas ganz anders und so anziehend. Morgan, der Besitzer, der Lamplight Gallery wohnt im lichtdurchfluteten Dachgeschoss und managt das komplette Ziegelsteingebäude. Ziemlich gutes Licht hat man hier. In einem verlassenen Apartment finde ich eine Filmkamera und leere Filme und benutze diese während unseres Aufenthaltes (Fotos müssen leider nachgereicht werden). Morgens brechen wir auf und verlassen wehmütig unsere neuen Freunde und diesen inspirierenden Ort.

Morgan und Friedi tauschen sich über die Kunst des Nähens aus. Foto: Ilkay

Morgan und Friedi tauschen sich über die Kunst des Nähens aus. Foto: Ilkay

Morgan. Foto: Ilkay

Morgan. Foto: Ilkay

Ein Stuhl. Foto: Ilkay

Ein Stuhl. Foto: Ilkay

Ein Friedi. Foto: Ilkay

Ein Friedi. Foto: Ilkay

Bevor wir aber die Stadt verlassen brauchen wir noch Brennstoff für unseren Kocher. Gaskartuschen für unseren regulären Kocher finden wir nicht, also suchen wir Alkohol oder Enteiser für unser Selbstbau-Kocher von Nathan (Heet, die gelbe Flasche, wie auf der Anleitung von Nathan steht). Wir finden 91% Alkohol, der während unseres Tests auf dem Supermarkt-Parkplatz brennt wie Wasser, also gar nicht. Gelbes Heet finden wir nicht, nur rotes aber damit können wir unseren Kocher mit ein wenig Geduld zum zünden bringen. Super! Der Trail beginnt gegenüber vom Parkplatz auf der anderen Seite der Brücke. Ziemlich schnell sind wir wieder in der Natur. Weiter als ein paar Meilen kommen wir aber nicht mehr, denn unsere Alkoholsuche hat ziemlich lang gedauert und motiviert sind wir ebenfalls weniger. So kommt uns eine kleine Feuerstelle und ein von Büschen und einer Tanne geschützter Zeltplatz gerade gelegen. Dass das rote Heet nicht perfekt ist zum Kochen, erkennen wir daran, dass Kocher und Topf bald schwarz wie die Nacht sind. Richtig heiß ist es auch nicht und wir wissen nicht was an Zusatzstoffen verbrannt wird also verfrachten wir den Topf auf die Glut der Feuerstelle.

Unser Zeltplatz unter der Tanne. Foto: Ilkay

Unser Zeltplatz unter der Tanne. Foto: Ilkay

Die Superköchin und der schwarze Topf. Foto: Ilkay

Die Superköchin und der schwarze Topf. Foto: Ilkay

Ilkay putzt Zähne. Foto: Friedi

Ilkay putzt Zähne. Foto: Friedi

Entspannt durch unsere angenehme Nacht auf dem weichen Untergrund unter der Tanne gehen wir den nächsten Tag an. Der Trail geht endlich wieder durch bergiges Gebiet. Wir laufen über Steine, Wurzeln und durch Schlamm. Einige Abschnitte sind sehr sumpfig aber es ist wunderschön. Größere Steine und Bäche überqueren wir, es ist nicht zu kalt und nicht zu heiß. Eher etwas kühl aber das ist zum wandern perfekt. Ihr werdet es mir nicht glauben aber einen Tag zuvor hat mich Friedi gefragt wann wir Bären sehen werden und ich sage ihr versichernd "Übermorgen, mein Kind." Das sich diese Behauptung als falsch herausstellt, merken wir einen Tag später. Denn vor uns auf dem Trail stellt sich ein mindestens drei Meter großer Bär auf die Hinterbeine. Er brüllt und zeigt uns sein riesiges Maul. Ein Schlund in dem ein Lamm im Ganzen verschwinden könnte. Ich stelle mich schützend vor die Prinzessin und zücke mein Schwert... Ja okay, es ist nur ein Schwarzbär, etwa so groß, wie ein handelsüblicher Hund, um die 70 Zentimeter, der flink davonrennt. Wir sehen nur sein Hinterteil. Er sieht zum schmusen aus.

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Da unsere Alkoholsuche offensichtlich doch kein Erfolg war, müssen wir nochmals welchen suchen. Wir nehmen einen Umweg in Kauf und kommen an einer Tankstelle vorbei, an der wir einen überteuerten 75% Korn für über 17$ finden aber wir haben keine Wahl, denn Nudeln mit kaltem Wasser zu "kochen" ist nicht so prickelnd. Nach unserem Einkauf, der auch ein paar Kleinigkeiten zum Essen beinhaltet, suchen wir uns einen Weg zu unserem Pfad zurück, der dieses Mal durch einen "National Forest" namens Dolly Sods führt. Okay, doch noch nicht, denn Friedi hat mal wieder ihre Wanderstöcke liegen gelassen.

Wie der Blitz kommt sie mit ihren vergessenen Stöcken zurück. Foto: Ilkay

Wie der Blitz kommt sie mit ihren vergessenen Stöcken zurück. Foto: Ilkay

Habe ich gesagt, dass es im letzten Abschnitt wunderschön ist, dann muss ich hier sagen, dass es traumhaft ist. Dichte Tannenwälder auf beiden Seiten des steinigen Weges. Streckenweise ist es sehr dunkel obwohl die Sonne scheint. Alle Fuß lang ein Bach an dem wir unsere Wasserblasen befüllen können. Es geht auf und ab, auf den höheren Lagen wachsen nur sperrlich Bäume, dafür hohes Gras und Gebüsch und man kann sehr weit sehen. Wir sind umgeben von Wäldern und die Topographie ist bergig. Endlich kein Flachland mehr. Die Berge sind zwar nicht einmal ansatzweise so hoch wie die Rockies aber wir fühlen uns hier wohl. Rehe liegen gemütlich in nächster Nähe zum Pfad und lassen sich von uns meist nicht stören. Sie beobachten uns mit ihren dunklen Augen und ihre Ohren, rund wie Antennenschüsseln, sind auf uns gerichtet.

Ich bin unter die Gärtner gegangen. Foto: Friedi

Ich bin unter die Gärtner gegangen. Foto: Friedi

Wasserblase befüllen Foto: Friedi

Wasserblase befüllen Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Friedi. Foto: Ilkay

Friedi. Foto: Ilkay

Auf der anderen Seite eines größeren Baches finden wir einen perfekten Zeltplatz unter den Tannen und Feuerstellen gibt es auch. Nur leider erkennen wir recht schnell, dass die vorherigen Personen ihren Müll im Feuer verbrannt und das Feuer mit abgesägten Ästen der Tannen genährt haben. Idioten gibt es überall. Da wir offensichtlich wieder im Bärenland sind, hängen wir unser Essen und alles was riecht wieder mit einem Seil und meinem Poncho in die Bäume. Eine gute Idee, denn nachts bekommen wir Besuch. Es ist ziemlich gruselig, wenn man alleine im Wald ist (die wenigen anderen Wanderer waren nur für Tagestouren hier) und man nachts irgendetwas um das Zelt herumlaufen hört. Draußen ist es stockfinster. Man kann nur am Geräusch abschätzen was es sein könnte. Für ein Reh ist die Gangart zu schwer und man hört die Hufe nicht. Friedi und ich sind uns ziemlich sicher, dass es ein Bär ist aber wer weiß, vielleicht ist es auch nur ein fetter Hase oder der Räuber Hotzenplotz. Die Geräusche entfernen sich und bewegen sich Richtung Poncho. Ich fange an mit, was auch immer da draußen ist, zu reden: "Huhu, ich hör' dich ganz genau." Es ist mir egal ob das Ding deutsch versteht oder nicht aber nun weiß es, dass es nicht allein ist. Die Geräusche kommen näher, es müsste an der Feuerstelle sein. Wir hören noch ein Knacksen und dann nichts mehr. Ich bleib noch einige Zeit mit geschlossenen Augen sitzen, um mich auf die Geräusche um uns herum zu konzentrieren, bis ich scheinbar wieder einschlafe, denn als ich das nächste mal meine Augen öffne, dringen schon die ersten Sonnenstrahlen durch das dichte Geäst der Tannen und erhellen das Zelt in einem goldenen Ton.

Friedi überquert den Bach. Foto: Ilkay

Friedi überquert den Bach. Foto: Ilkay

Unser Zeltplatz. Foto: Friedi

Unser Zeltplatz. Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Feuer frei. Foto: Ilkay

Feuer frei. Foto: Ilkay

Feuer einstellen. Foto: Friedi

Feuer einstellen. Foto: Friedi

Unser Essen hängt in der Luft. Foto: Friedi

Unser Essen hängt in der Luft. Foto: Friedi

Zähne putzen nicht vergessen. Foto: Ilkay

Zähne putzen nicht vergessen. Foto: Ilkay

Am heutigen Tage zeigt uns Dolly Sods was es bedeutet durch richtige Sumpflandschaft zu stapfen. Friedi und ich versuchen von Stein zu Stein zu springen, was anfangs gut klappt aber irgendwann versinken wir immer tiefer in Wasser und Schlamm. In Grasflächen, die nur etwas nass aussehen, versinken wir knöcheltief. Friedi gibt auf, ihre Schuhe sind komplett durchnässt. Nasser wird es nicht mehr. Ich ziehe meine Stiefel aus, bis jetzt ist nur der vordere Bereich am Zehenansatz nass, und laufe barfuß durch das Gebiet. Tut meinen Füßen bestimmt gut. An einer Stelle sucht Friedi eine geeignete Stelle zum durchqueren. Ich gehe vor, um einen Weg zu finden. Mit dem ersten Schritt versinke ich bis zum Knie im Schlamm, der mich nicht mehr gehen lassen will. Mit vereinten Kräften kämpfen wir mich frei. An einem Bach waschen wir unsere Füße und unser Schuhwerk, füllen unsere Wasserblasen und kochen das erste mal mit unserem 75% Korn. Mit etwas Mühe lässt er sich entzünden. Das Kochgeschirr wird nicht verrußt, nur ein weißer Rest bleibt im Kocher übrig.

Naturstiefel. Foto: Ilkay

Naturstiefel. Foto: Ilkay

Bis zum Knie. Foto: Friedi

Bis zum Knie. Foto: Friedi

Schuhe und Füße putzen. Foto: Ilkay

Schuhe und Füße putzen. Foto: Ilkay

Foto: Friedi  

Foto: Friedi  

Nach unserer Mittagspause gehen wir Richtung Eingang, uns kommen viele Wanderer entgegen mit Rucksäcken, die alle größer sind als die unseren. Was die wohl alles dabei haben? Mehr als ein bis zwei Nächte bleiben die nicht, denn die Autos stehen am Eingang des Parkplatzes. Von hier aus haben wir nochmals eine wunderschöne Aussicht auf die Landschaft um uns herum, bevor wir uns auf den langwierigen Abstieg über die Landstraße begeben.

Ilkay guckt. Foto: Friedi

Ilkay guckt. Foto: Friedi

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Dolly Sods und Umgebung. Foto: Ilkay

Dolly Sods und Umgebung. Foto: Ilkay

So angenehm das Wetter oben war, so heiß und schwül wird es mit jedem Meter des Abstiegs. Fast im Tal setzt plötzlich meine Pollenallergie wieder ein, von der ich seit Thomas befreit schien. Friedis Füße schmerzen und die Sonne lässt uns schmoren. Zeit für einen Schlafplatz. Wir müssen wieder Leute fragen ob wir auf deren Grundstück unser Zelt aufschlagen können, denn hier ist jeder Quadratmeter Privatbesitz. Entweder es ist niemand da oder wir hören faule Ausreden, wie "Wir haben Pferde und Kühe.", "Fragt den Nachbarn, bei mir hat es üble Stechmücken." oder sonstiges. Ich bin nicht enttäuscht von den Menschen, dass sie uns nicht aufnehmen, es ist ja unsere Entscheidung so zu reisen, mich stört nur, dass sie meist irgendwelche Ausreden finden, anstatt ehrlich zu sein und einfach nein zu sagen. Zwischen den einzelnen Häusern kann es gerne mal ein, zwei Kilometer Abstand geben. Es würde vermutlich niemand merken, wenn wir unser Zelt irgendwohin stellen aber wir möchten auch nicht beim Aufwachen in den Lauf der Schrotflinte, des Besitzers gucken. Schlussendlich sagt uns eine Frau, dass wir doch nebenan auf der anderen Seite der verlassenen Kirche unser Zelt aufschlagen können. Sie weiß nicht wer der Besitzer ist aber einen Gottesdienst gab es schon lange nicht mehr.

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Die Kirche. Foto: Ilkay

Die Kirche. Foto: Ilkay

Vielleicht könnt ihr euch noch an den Eintrag erinnern, es müsste Nr. 16 sein, in dem ich die aggressiven Wachhunde anprangere. Heute ist das passiert, wovor Friedi und ich uns gefürchtet haben. Als wir ein Grundstück passieren, höre ich einen Hund bellen und sehe im Augenwinkel hinten links im Garten etwas rennen, dann versperrt mir die Hecke die Sicht und zu hören ist auch nichts mehr. Ich wechsle die Straßenseite. Plötzlich kommt ein riesiger Köter mit weit aufgerissenem Maul um die Ecke geschossen. Die Schwanzspitze sagt mir, dass der Hund es ernst meint, denn sie wackelt nicht umher. Ein anderes Merkmal das auf die Gefahr der Situation hinweist ist die abgerissene Hundeleine. Zähnefletschend überquert er die Straße und rennt natürlich auf mich zu. Ich brülle ihn an: "HEY!", etwas anderes fällt mir nicht ein und stelle meine Wanderstöcke zwischen uns und gehe auf ihn zu aber das interessiert ihn nicht. Ich höre seine Zähne zuschnappen, mehrmals. Dann habe ich das Drecksvieh mit meinen Stöcken verprügelt. Das alles klingt nach einem 15-minütigen Kampf aber es waren nur wenige Sekunden. Mein Herz schlägt wie verrückt, ich bin auf hundertachtzig. Die Besitzerin kommt aus dem Haus. "He's just a barker, not a biter." Dann habe ich die Besitzerin verprügelt. Natürlich nicht aber so eine blöde Aussage hätte eine Tracht Prügel verdient. Es stört sie nicht einmal wirklich, dass der Hund die Leine abgerissen hat. Ich erzähle ihr, dass ich dem Hund für sein Benehmen ein paar verpasst habe, dann realisiert sie überhaupt erst, was passiert ist und entschuldigt sich. Ich bin kein nachtragender Mensch und kann in solchen Momenten nie etwas sagen. Ich wünsche ihr einen schönen Tag und wir laufen weiter. Ich bin immer noch rasend vor Wut und muss das erst einmal verarbeiten. Was wäre passiert wenn jemand mit einem Kind vorbeigekommen wäre oder jemand älteres? Rationales Denken ist nicht mehr. Wenn ein Hund in der Nachbarschaft anfängt zu bellen, legen sofort alle anderen auch los. Teilweise haben wir kleine Käfige gesehen, vielleicht zwei mal zwei Meter, in denen Hunde gehalten werden, die zu dick zum bellen sind oder andere, die völlig ausrasten und den Zaun hochspringen. Wieso braucht hier jeder einen Wachhund, um ihn dann unter miserablen Bedingungen zu halten. Vor was haben die Menschen hier solche Angst? Diesbezüglich geht mir dieses Land so dermaßen auf die Eier. Sie leben am Arsch der Welt und kleistern die Zäune, Bäume und Türen mit Schildern voll, als würden jeden Tag hundert Menschen über ihr Grundstück rennen, die besagen "Keep out", "Private property", "if you can read this you're in range" und so weiter, die noch dümmeren Texte lasse ich weg. Wenn ihr Angst vor Einbrechern habt, dann macht es ihnen nicht so leicht und baut keine Häuser aus Pappmaché, mit Schiebefenstern, die man von außen öffnen kann und schließt eure Türen ab.

Passt. Foto: Ilkay

Passt. Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Na ja, konzentrieren wir uns wieder auf den Weg. Gegen Abend sind wir wieder auf der Suche nach einem Zeltplatz, die Leute weisen uns ab und wir landen bei einer Baptisten-Kirche oder was davon übrig ist. Das eigentliche Gebäude ist abgebrannt und nebenan wurde zeitweilig ein Lagerhaus-artiges Gebäude als Ersatz gebaut. Wir dürfen neben den Picknick-Tischen unser Zelt aufschlagen und bekommen noch eine Lektüre oder eher eine Anmeldung mit zum lesen.

Foto: Ilkay

Foto: Ilkay

Foto: Friedi

Foto: Friedi

Scheinbar hat Friedi zu viel Sonne abbekommen, denn ihr geht es nicht gut. Wir laufen ein paar Meilen durch den Wald bis zur nächsten größeren Straße. Friedis Zustand verschlechtert sich mit jedem Schritt, sodass wir versuchen so schnell wie möglich ins nächste Dorf zu kommen. Glücklicherweise dreht ein Pick-up für uns um und wir dürfen mal wieder auf der Ladefläche mitfahren. In Old-Town lässt uns der junge, bärtige Fahrer vor einer Schule raus. Unter einem Baum auf dem Spielplatz lassen wir uns nieder und Friedi schläft sofort ein. Nach einem kurzen Nickerchen kümmere ich mich um unsere Wasserversorgung. In der Schule stelle ich fest, dass es keine Schule mehr ist, sondern eine Werkstatt mit einem Restaurant. Überall stehen Autos. Draußen stehen zwei Opel Rekord aus dem Jahr 1959, vom selben Modell spricht der Autor in einem Buch, das ich gerade lese, welch Zufall. Drinnen stehen alte Ford 100er Pick-ups in bestem Zustand und schöner türkis-weißer Lackierung, ein schöner Dodge Dart, sogar zwei VW's, ein zerlegter Käfer und ein Typ 182, im Eck unter einer Plane ein Chevrolet Chevelle SS und viele mehr aber ich will euch nicht langweilen. Der Besitzer, Larry, Mitte 50, gibt uns Wasser und lässt uns, in einem der Räume der Schule, den auch Menoniten sonntags nutzen, unser Lager aufschlagen. Die Schule hat keine Fenster, es ist bedrückend. Zum Glück hat es im nächsten Ort eine bessere Übernachtungsmöglichkeit, dieser heißt Paw Paw. Wie wenn man mit einem Spielzeugrevolver spielt oder einen Linken und einen rechten Haken austeilt.

Wie die Leute ihre Straßen nennen... Foto: Ilkay

Wie die Leute ihre Straßen nennen... Foto: Ilkay

Foto: Friedi

Foto: Friedi

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